Bachmannwettbewerb
HUNDERT – so lautete das diesjährige Thema des 34. Junior-Bachmann-Literaturwettbewerbs. Eine Zahl, die literarisch umgesetzt werden wollte. Im ersten Moment waren die Schüler*innen ratlos – wie sollte man das anstellen? Doch junge Köpfe sind bekanntlich kreativ, und so sendete die 3A unter der Leitung ihrer Deutschlehrerin Prof. Liemberger mehrere ausgezeichnete Texte ein, die die Vorauswahl innerhalb der Klasse überstanden hatten.
Mitte Mai folgte eine Mail von der hochkarätigen Jury aus dem Kunst-, Kultur- und Medienbereich – einer der Texte war in die nähere Auswahl gekommen und wird sogar in der Broschüre veröffentlicht! Gratulation an Samuel Berne (3A), der die Jury mit einer berührenden Geschichte begeisterte. Sie handelt von einem Kind und seinem Opa beim gemeinsamen Sterneschauen – hundert Sterne und eine ewig andauernde Verbindung.
Samuel darf nun zur Preisverleihung fahren, auch wenn es nicht ganz für einen Podestplatz gereicht hat. Trotzdem sind wir alle stolz auf ihn! Wer sich für Samuels Text „Hundert Sterne“ interessiert, ist herzlich eingeladen, hineinzulesen.
Samuel Berne (3A)
Hundert Sterne
Wenn ich am Abend in den Himmel schaue und diese wunderschön glänzenden Geschöpfe namens Sterne am Himmelszelt erblicke, muss ich immer an meinen Opa denken und an diese ganz besondere Konstellation.
„Das ist Sirius, der hellste Stern am Himmel, und das der Polarstern, nachdem du dich immer richten kannst, wenn du die Orientierung verloren hast. Es gibt auch Canopus, den zweithellsten Stern, oder Vega, der in der Konstellation der Leier vorkommt.“
Opa hatte mir sehr viel über die Sterne und Konstellationen erzählt. Von den ganzen Geschichten, die die alten Römer und Griechen schon vor zweitausend Jahren erfunden hatten, um sich erklären zu können, warum es so viele Asteroiden gab, die im All schwebten. Zuhause hatte mein Opa etliche Karten, die die Konstellationen erklärten und beschrieben. Er hatte sie mir stolz gezeigt und mir so die Liebe zu den Sternen vermittelt.
Oft lagen wir am Abend draußen im Dunklen mit beeindrucktem Blick auf die Gestirne und mein Opa erzählte mir die verschiedenen Geschichten der Sternbilder. Es war mir nie langweilig, denn er versuchte, mir jedes Mal eine neue Legende zu erzählen. In warme Decken eingehüllt, kuschelten wir uns aneinander und genossen die Aussicht in die Unendlichkeit. Ich fühlte mich geborgen in den Armen meines Opas. Seine warmen Hände wärmten meine. Es schien so, als würden uns die Sterne anlächeln und uns auf eine kleine Reise durch das Weltall einladen. Ich hatte das Gefühl, dass sie nur für uns leuchteten und dass sie auf uns aufpassten. Es passierte mehr als einmal, dass ich in den Armen meines Opas mit einem Lächeln einschlief und er mich dann behutsam ins Bett brachte. Mein Opa schilderte mir auch manchmal von seiner Zeit. Schon als kleiner Junge hatte er Stunden im feuchten Gras gelegen und fasziniert den Himmel betrachtet.
Wir betrachteten aber nicht nur schon existierende Konstellationen, sondern erfanden auch neue. Wie zum Beispiel die „eisschleckende Katze“ oder den „fliegenden Tannenbaum“. Inspiriert von der bezaubernden Aussicht erfanden wir etliche Geschichten zu den Sternenbildern.
Mein Opa war immer gut gelaunt und wusste immer, wie er mir eine Freude machen konnte. Zum Geburtstag schenkte er mir selbst gemachte Zeichnungen vom Nachthimmel und seinen Bewohnern, den Sternen. So beschloss auch ich, ihm ein besonderes Geschenk zu seinem achtzigsten Geburtstag zu machen.
Jeden Abend sah ich lange aus dem Fenster, beobachtete die Sterne ganz genau und zeichnete sie ab. Ich versuchte, eine neue Konstellation zu entdecken, aber nicht irgendeine, sondern eine ganz besondere. Lange grübelte ich und dann, als plötzlich eine Sternschnuppe den Himmel erleuchtete, weiteten sich meine Augen und ich
verband genau hundert Sterne auf meinem Blatt, die eine wunderschöne Konstellation ergaben. Nämlich die eines alten Mannes und eines jungen Kindes, die sich umarmten.
Diese Konstellation haben wir am Abend seines Geburtstags lange und zufrieden beobachtet. Seitdem wissen wir, egal wo wir sind, dass wir für immer durch die hundert Sterne verbunden sein werden.

